Ist Olympisches Dorf in der Bergischen Kaserne sinnvoll?

Bürgerverein Bergisches Viertel e.V.

Pressemitteilung

Düsseldorf, 06.03.2019

 

Ist Olympisches Dorf 2032 in der Bergischen Kaserne sinnvoll?

Statt OB Visionen erwarten Bürger die längst überfällige Verbesserung der Verkehrssituation

Mit Interesse haben wir die ausführliche Presseberichterstattung zu den neuen Plänen von OB Geisel zur weiteren Entwicklung der Bergischen Kaserne gelesen. Nunmehr träumt unser sportlich ambitionierter Oberbürgermeister davon, das Olympische Dorf 2032 auf dem teilweise denkmalgeschützten Gelände mit unbebaubarer Frischluftschneise in unserem Viertel zu errichten.

 

Diese Vision entstand offensichtlich ohne Kenntnis von Fakten: Im Jahr 2008 wohnten in Peking 16.000 Sportler und Funktionäre im Olympischen Dorf, vier Jahre später in London waren es bereits 17.320, in Rio mussten 17.950 Personen untergebracht und versorgt werden.

 

In Anbetracht dieser Dimensionen sind die Vorstellungen von OB Geisel für die Bürger unseres Viertels einmal mehr alarmierend: Eine derart große Anzahl von Personen könnte nur in vielgeschossigen, dicht stehenden Hochhäusern auf der nur teilweise nutzbaren Fläche der Bergischen Kaserne untergebracht werden. Eine solche Beton-Bienenstock-Siedlung passt nicht in unser Viertel und bedeutet den absoluten Gegensatz zum Aufstellungsbeschluss vom 14.09.2005 (Bebauungsplan Nr. 6181/005 der Stadt Düsseldorf), in dem Wohnbauflächen mit geringer Dichte und Geschossigkeit ausgewiesen sind (http://ratsinfo.duesseldorf.de/ratsinfo/duesseldorf/23549/Vm9ybGFnZW5kb2t1bWVudCAob2VmZmVudGxpY2gp/14/n/67555.doc).

In seiner Vision äußert sich OB Geisel leider nicht zu der geplanten Nachnutzung der Gebäude nach den Olympischen Spielen und ignoriert weiterhin die bereits jetzt bestehende und durch die Ansiedlung derart vieler neuer Bürger sich noch weiter verschärfende Verkehrsproblematik in unserem Viertel. Seit Jahren stehen in den täglichen Staus auf der Bergischen Landstraße tausende Bürger und belasten die Umwelt.

Für ein Olympisches Dorf mag die Nähe zur A3 günstig sein. Bei der späteren Nachnutzung werden sich die neuen Bewohner aber größtenteils Richtung Innenstadt orientieren, nicht Richtung Autobahn.

 

Bei der Errichtung eines Olympischen Dorfes muss die Finanzierung beizeiten gesichert sein. Schon andere Olympiastädte hatten in jüngster Vergangenheit trotz langfristiger Planungen massive Probleme in diesem Bereich: So musste für das Olympische Dorf in London der britische Staat einspringen, 275 Mio. Pfund gingen hier letztendlich zu Lasten der Steuerzahler.(https://de.wikipedia.org/wiki/Olympisches_Dorf_(London)

Vor dem Hintergrund des Finanzdebakels bei der Tour de France sollte die Stadt rechtzeitig ihre Finanzpläne darlegen.

 

Wie ein Blick in die Berichterstattung zeigt, lässt sich OB Geisel immer wieder auf seinen zahlreichen Auslandsreisen inspirieren. Nach seiner Rückkehr aus Japan wollte er 2015 eine Hochbahn über den Gallberg zur Bergischen Kaserne bauen lassen (https://rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/thomas-geisel-will-skytrain-ueber-den-gallberg_aid-22100345). Später sollte es dann eine Seilbahn werden. Bis zum heutigen Tag fehlt noch immer die Machbarkeitsstudie zu diesem Projekt.

 

In ihrer Kolumne „Die Woche im Rathaus“ schrieb die Rheinische Post am 24.08.2016 (https://rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/vielen-dank-herr-geisel-aber-es-reicht_aid-18734385) unter anderem: „…entscheidend ist, ob Thomas Geisel Düsseldorf nach vorne bringt, ob seine Politik gut für die Menschen in der Stadt ist…” Das Verkehrsproblem in unserem Bergischen Viertel hat OB Geisel seit seinem Start 2014 leider ignoriert, für die Bürger hat sich nichts verbessert.

 

Wir begrüßen es daher sehr, dass sich die Bezirksvertretung 7 nochmals intensiv mit den täglichen Staus auf der Bergischen Landstraße sowie der Verkehrsproblematik im Bergischen Viertel beschäftigt und nahezu einstimmig einen Sachstandsbericht der Stadtverwaltung angefordert hat.

Unsere Bezirkspolitiker haben parteiübergreifend in diesem Fall ein feines Gespür für die Bedürfnisse der Bürger bewiesen, die seit Jahren auf eine Verbesserung der Verkehrssituation warten.

 

Wir erwarten daher künftig weniger Visionen und Luftschlösser von OB Geisel, sondern mehr erfolgreiche Projekte mit Augenmaß im Interesse der Bürger unseres Viertels.

 

Dr. Melanie Kübler                                    Andreas Goßmann

Bürgerverein Bergisches Viertel e.V.